Montag, 30. Juli 2007

Wochenende in La Paz

Dieses Wochenende verbrachte ich mal wieder in La Paz und auch hier kann man was erleben: Die Abende/ Nächte waren mit Parties ausgeplant, am Samstag war die Entrada Universitaria und den Sonntag verbrachte ich auf dem Markt in El Alto.
Die Entrada Universitaria ist ein grosser Umzug (ähnlich wie die Fiesta del Gran Poder, siehe früherer Eintrag), welcher den ganzen Tag lang durch die Stadt führt und das neue Semester einleutet, welches diese Woche beginnt. Jeder Studiengang der staatlichen Universität nimmt an diesem Umzug teil und tanzt einen anderen traditionellen bolivianischen Tanz, für welchen wochenlang geübt wurde. Auch mein Mitbewohner Bene hat mitgetanzt, weil die psychologische Fakultät noch männliche Teilnehmer gesucht hat. Das Foto von ihm entstand in unserem Garten, leider verpassten wir ihn bei der Entrada....
Was ich bei einem Gespräch mit einem Bolivianer erfahren habe ist, dass den Studenten, welche nicht an der Entrada teilnehmen, Punkte abgezogen werden. Genauso werden sie mit einem Punkteabzug bestraft, wenn sie nicht an studentischen Demonstrationen teilnehmen. Das fand ich ganz schön krass: Bolivien will ein demokratisches Land sein????

Am Sonntag morgen ging es auf den Markt in El Alto, der höher gelegenen armen Schwesterstadt von La Paz. Es heisst, dass dieser Markt der grösste ganz Lateinamerikas sei. Er war auch wirklich riessen gross und es gab einfach ALLES! Lebensmittel, CDs und DVDs (natürlich keine Originale), Autos, Ersatzteile, Werkzeuge, Maschinen, Kleidung, Schuhe, Tiere (Katzen, Hunde, Hühner, Schweine, Schafe,...), Möbel, Holz, Türen, Spielzeug, Metall ..... und Abfall. In einem Teil des Marktes wurden wirklich leere Dosen, Flaschen, Schraubgläser, etc. verkauft, welche wohl in La Paz aus dem Müll gefischt wurden - unglaublich. Da man immer wieder von Diebstahl auf diesem Markt hört, liess ich meine gesamten Wertgegenstände zu Hause und hatte deswegen nur eine Einwegkamara und nicht meine Digicam dabei, weshalb ich leider keine Fotos von dem Markt ins Netz stellen kann.

Ja und von den Parties gibt es soviel zu berichten, dass die Bolivianer einfach unglaublich viel Alkohol trinken. So mancher Bolivianer in meinem Alter legt ein Trinkverhalten an den Tag, wie vielleicht mancher Jugendlicher in Europa bei seinen ersten Alkohol-Erfahrungen: Es wird in kürzester Zeit die möglichst grösste Menge an hartem Alkohol konsumiert. So sind Alkoholleichen auf jeder Veranstaltung Standard... Meine bolivianischen Freunde sind zum Glück jedoch etwas anders drauf, so dass man ordentlich mit ihnen feiern kann!

Am Donnerstag gehts jetzt für 9 Tage nach Buenos Aires. Ihr könnt euch also schonmal auf meinem nächsten Post über Argentinien freuen!

Sonntag, 22. Juli 2007

Ein unverhofft verlängerter Aufenthalt in Rurrenabaque


Hola! Seit dem letzten Eintrag ist schon wieder einige Zeit vergangen und dieses Mal gibt es auch richtig viel zu berichten. War die letzte Woche komplett auf Reisen, wenn auch nicht ganz freiwillig. Dazu aber später. Am Freitag, den 13.7. war nämlich erst mal Betriebsausflug der Kammer angesagt. Dazu wurden alle 10 Beschäftigten in einen Kleinbus eingeladen und es ging zuerst zu einer grossen Textilfirma in La Paz, die für Ralph Lauren produziert. Wir besichtigten die Produktionsanlagen, die richtig high tech mässig ausgestattet sind. Danach gings in die subtropischen Yungas nach Coroico (wo ich auch schonmal mit dem Fahrrad runter gedüst bin), dort wurde zu Mittag gegessen und ein Mitglied der Kammer besucht: Ein Schweizer Ehepaar, welches Echinacea, Kamille und andere Kräuter anbaut, um diese dann in ihrem kleinen Labor zu Arzneien weiterzuverarbeiten. Wir wurden durch ihr grosses, idyllisches Anwesen geführt und danach zu Kaffee und Kuchen eingeladen.
Am Tag darauf, dem Samstag, startete unsere ursprünglich bis Mittwoch geplante Reise nach Rurrenabaque, in der Amazonasregion. Wir, das waren 6 deutsche Praktikanten aus La Paz: Janine, Stefanie, Verena, Charlotte, Benedikt und ich. Alleine die Anreise stellte schon ein kleines Abenteuer dar, da wir mit einer kleinen Dschungelmaschine mit 19 Sitzplätzen geflogen sind und die Landepiste in Rurre nicht geteert ist und nur aus Gras besteht - demnach war die Landung auch ziemlich hopplich...
In Rurrenabaque angekommen mussten wir uns erst einmal unseren Winterklamotten entledigen, da es sehr heiss und schwül war. Puh, das waren wir gar nicht mehr gewöhnt... Am Tag darauf starteten wir dann unsere 3tägige Pampas-Tour. Dafür mussten wir zuerst 3,5 Stunden lang mit einem Kleinbus durch die Landschaft fahren, wobei wir ganz schön durchgeschüttelt wurden. Die Strasse war nämlich quasi inexistent, da sie nur aus Erde bestand, mit riessigen Löchern und Spurrillen. Danach ging es für weitere 3 Stunden mit einem kleinen Holzboot (für die Tübinger: quasi ein Stocherkahn, jedoch mit Motor) über einen kleinen Fluss. Am Ufer konnten wir Krokodile, Schildkröten, schweineähnliche Flussratten (hab leider den Namen vergessen), viele Vögel und Affen beobachten. Teilweise fuhren wir nur mit einem Abstand von ca. 2 Meter an den Krokodilen vorbei. Diese seien jedoch relativ harmlos, da die grossen gefährlichen in nahe gelegenen Lagunen hausen und nicht am Fluss. Das haben wir dann einfach mal geglaubt... Unsere Unterkunft bestand aus Holzhütten der einfachsten Art, mit Moskitonetzen, Hängematten und Verschlägen, in welchen man sein Geschäft verrichten konnte. Strom gab es nur, wenn der Generator angeworfen worde. Am ersten Abend schauten wir uns noch von einer Aussichtsplattform den Sonnenuntergang über der Pampa an und als es dunkel wurde, gingen wir auf Krokodil-Schau. Wir liessen uns mit dem Boot den Fluss runter treiben und die Augen der Krokodile leuchten im Schein der Taschenlampe knall rot. Unser Führer hat uns dann noch ein kleines Krokodil gefangen (ca 1 Meter lang), welches wir aus der Nähe betrachten konnten.

Am nächsten Morgen ging es auf eine Wanderung durch die Pampa auf Anaconda-Suche. Mit unseren weissen Hemden, die uns vor Moskitos schützen sollten, sahen wir aus wie Ärzte auf Exkursion. Es ging durch riesige Schilffelder, durch kniehohes Wasser, durch Unterholz und durch Matsch. Unsere Guides hielten immer Ausschau nach Schlangen, die sie uns fangen konnten, leider hatten wir auf der Suche kein Glück. Auch nicht schlimm, denn wie ich gemerkt habe, bin ich ein kleiner Schisser... Dafür haben wir jedoch die Bekanntschaft mit einem Wespenschwarm gemacht, die mich erst mal ins Ohr und in den Finger gestochen haben (hat ganz schön weh getan und ist angeschwollen) und wir kamen völlig dreckig und fertig zu unserem Camp zurück. Da mussten Bene und ich erst einmal feststellen, dass unsere Reisepässe, die in einer Beintasche von Bene verstaut waren, bei der Wanderung leicht gelitten haben: Sie waren durchweicht. Zum Glück konnte man unsere Einreisestempel noch lesen und wir trockneten die Pässe mit rosa Klopapier. Deswegen hat das Papier jetzt auch nen leichten rosa Stich. Hoffe, das gibt bei der nächsten Einreise keine Probleme... Aber gut: Ein weiteres Andenken an Bolivien!
Am Nachmittag wurde uns die Möglichkeit gegeben, mit rosa Flussdelphinen zu schwimmen. Dies liess ich jedoch sein, da am Flussufer Krokodile lagen, die dort zwar auch liegen blieben, aber wie gesagt: Ich bin ein kleiner Schisser und schaute den anderen lieber vom Boot aus zu. Danach ging es zum (Cai)piranha-Fischen, was wiederum super Spass gemacht hat. Die Fische gab es dann zum Abendessen - na ja, nicht wirklich lecker... Am nächsten Morgen ging es dann noch auf einen kleinen Spaziergang durch einen Wald, in welchem uns unser Guide viel über die Pflanzen und ihre Verwendung in der Medizin erzählt hat, und nach dem Mittagessen ging es wieder zurúck nach Rurrenabaque.

Eigentlich sollten wir dann am darauffolgenden Morgen (Mittwoch) wieder nach La Paz zurück fliegen,was sich jedoch als unmöglich herausstellte. In Rurre hatte es nämlich geregnet und dadurch war die Graspiste nass, weswegen die Flugzeuge weder starten noch landen konnten. Den gesamten Mittwoch hingen wir deswegen in Rurrenabaque ab, checkten alle paar Stunden das Büro der Fluggesellschaft, die uns aber nicht wirklich weiterhelfen konnten, bzw. einfach nicht wussten, wann die Flugzeuge wieder fliegen konnten. Abends erfuhren wir dann, dass wir für Donnerstag Abend einen Platz im Flieger haben. Da für Freitag Generalstreik in La Paz angekündigt war und wir eh nicht hätten arbeiten müssen, entschieden Verena (die andere Kammerpraktikantin) und ich, unseren Aufenthalt bis Samstag zu verlängern und noch einen 2 tägigen Dschungel-Trip dranzuhängen. Muss man ja schon mal ausnutzen, wenn man unverhofft frei bekommt...
So ging es Donnerstag und Freitag in den Dschungel, mit dem Boot nen anderen Fluss in ne andere Richtung entlang - in den Nationalpark Madidi. Die Vegetation war echt der Hammer: Riesige Bäume, Farne, Lianen usw. Unser Guide ist in einem Stamm im Dschungel aufgewachsen und verfügte daher über ein grosses Wissen. Er liess uns Pflanzen und Termiten kosten, wir tranken aus Lianen, welche Wasser speichern, er baute uns in kurzer Zeit einen Speer und eine Lianen-Schaukel und suchte uns handflächen grosse Spinnen.
Am zweiten Tag ging es zu einem Papageien-Berg, wo diese Vögel in freier Wildbahn zu beobachten sind. Dazu mussten wir jedoch erst über den Beni-River schwimmen und gegen die Strömung ankämpfen - was für ein Spass! Nach dem Mittagessen ging es dann auch schon wieder zurück nach Rurrenabaque. 2 Tage Regenwald waren echt etwas kurz, es werden auch bis zu 20tägige Survival-Touren angeboten, bei welchen man weiter in den Regenwald eindringt und sich nur von Pflanzen und Tieren ernährt, welche auf dem Weg gefunden werden. Das hätte mich schon gereizt, leider fehlt mit dazu jedoch die Zeit...
Seit Samstag abend bin ich nun wieder in La Paz und hab den heutigen Sonntag mal Zeit, mich etwas zu erholen. Morgen gehts dann auch wieder ins Büro, in 1,5 Wochen fliege ich jedoch schon wieder für 9 Tage auf das Southamerican Business Forum (www.sabf.org.ar) nach Buenos Aires. Dieses ist zum Thema "Positioning Strategies for South America" und es nehmen ein Wochenende lang Studenten aus aller Welt daran teil. Wird sicher interessant. Da sich die Anreise für ein Wochenende finanziell für mich jedoch nicht gelohnt hätte, hat mir mein Chef netterweise länger frei gegeben, so dass ich nun vom 2.-11.8. in Buenos Aires sein werde. :-)
Danach bleiben dann auch nur noch 3 Wochen Praktikum...

Montag, 9. Juli 2007

Chakaltaya

Dieses Wochenende blieb ich zur Abwechslung mal in La Paz - Das soll aber nicht heissen, dass ich nichts erlebt habe. Wäre ja langweilig! ;-)
Am Samstag ging es erst einmal in die Marktgegend in die Schneiderstrasse: Dort reiht sich ein Schneidergeschäft an das andere und mein Mitbewohner Bene und ich hatten uns vorgenommen, uns einen Anzug schneidern zu lassen. Den Stoff dazu mussten wir in der Stoff-Strasse einkaufen, hier gibt es circa unendlich viele Stoffgeschäfte. Wenn man in Bolivien einkaufen geht, braucht man einfach super viel Zeit, da es für jedes benötigte Gut ein Viertel gibt, in welchem nur dieses verkauft wird. Das heisst, wenn man 10 verschiedene Sachen braucht, muss man in 10 verschiedene Strassen. Und bis man die entsprechende erst einmal gefunden hat... Jedenfalls müssen wir am Donnerstag zur Anzug-Anprobe kommen - da bin ich ja mal gespannt, ob der Schneider meinen Wunsch-Schnitt (nach einem Esprit-Kostüm aus dem Internet) verwirklichen konnte...
Ansonsten musste ich den restlichen Samstag erst einmal relaxen, da die letzte Woche recht anstrengend war. Meine Mitbewohnerin Daniela ist abgereist und deswegen gab es ne ordentliche Abschieds-WG-Party, nen Abschluss-Kneipenabend und zum Flughafen habe ich sie morgens um halb 5 auch noch gebracht. Ich war also erholungsbedürftig!
Am Sonntag musste jedoch trotzdem was unternommen werden und es ging auf den Chakaltaya: Das höchst gelegenste Skigebiet der Welt auf über 5000m Höhe. Leider kann man dort seit 2 Jahren nicht mehr Skifahren, da der Gletscher durch den Klimawandel fast abgetaut ist. Allerdings besteht die Möglichkeit mit dem Auto bis auf circa 5200 m hochzufahren und von dort aus auf 5420 m Höhe weiter zu wandern. Dazu benötigten wir lediglich 45 Minuten, aber wegen der Höhe stellte sich dies als recht anstrengend heraus. Die Luft wird einfach ein bisschen knapp dort oben. Ausserdem war der Wind ganz schön kalt!!! Dafür war die Aussicht auf die Cordillera Real (Bergkette mit weiteren hohen Bergen mit über 6000m Höhe) und auf La Paz echt gigantisch, auch wenn es etwas bewölkt war.
Die letzten Tage ist das Wetter nämlich ganz schön umgeschlagen: Es regnet und ist schweine kalt. In El ALto (die höher gelegene Schwesterstadt von La Paz) hat es heute Nacht sogar geschneit und der komplette Flugverkehr nach La Paz war deswegen unterbrochen! Dieses Wetter ist ziemlich ungewöhnlich für diese Jahreszeit, da wir eigentlich Trockenzeit haben und es kaum Niederschläge geben sollte.... Da ich natürlich keine Heizung habe, bin ich mittlerweile auch etwas erkältet. Deswegen freue ich mich schon sehr aufs Wochenende, denn dann geht es für 4 Tage nach Rurrenabaque - in die Amazonasregion, wo es sicherlich angenehmere Temperaturen haben wird!
Auf dem untersten Bild ist übriges La Paz von El Alto aus zu sehen (mit mir im Vordergrund - hihi).

Dienstag, 3. Juli 2007

Villa Tunari

Letztes Wochenende verbrachte ich in Villa Tunari - eine kleine Urwaldstadt 10 Busstunden von La Paz entfernt. Ne ganz schöne heftige Entfernung für ein Wochenende (2 Nachtfahrten), aber wie die Bolivianer sagen: valió la pena - der Aufwand lohnte sich!
Zum ersten Mal war ich nicht mit anderen Praktikanten unterwegs, sondern mit einem bolivianischen Freund - mit Pitu (eigentlich Hector). Das heisst: Das ganze Wochenende ohne ein Wort Deutsch. Klappte ganz gut...
Den Samstag und Sonntag waren wir viel zu Fuss unterwegs und erkundeten die Umgebung. Um Villa Tunari herum gibt es viele Naturparks mit einer wunderschönen Vegetation. Die Stadt befindet sich auf einer Höhe von nur 300m und diese Region gehört bereits zum Amazonasbecken, weshalb das Klima schon tropisch ist und so auch die Pflanzenwelt.
Zuerst wanderten wir durch einen Tierpark, in welchem Affen, Pumas, Vögel und andere Tiere wieder an die Wildnes gewöhnt werden, nachdem sie in Zoos, Zirkus´etc. an die Menschen gewöhnt waren oder auch schlecht behandelt wurden. Viele Voluntaries aus aller Welt kümmern sich nun dort um die Tiere. Ausserdem hat dieser Park schöne Pfade und einen herrlichen Blick über die Region zu bieten.
Nachmittags erwartete mich ein persönliches Highlight. Pitu ist Ingenieur und plante in letzter Zeit eine neue Strasse zwischen Cochabamba und Villa Tunari. Momentan existiert an dieser Stelle nur ein Trampelpfad und diesen ist er abgewandert um den Strassenverlauf zu berechnen. Dabei stiess er vor einigen Wochen auch auf ein kleines Dorf in der Nähe von Villa Tunari, welches komplett abseits der Zivilisation liegt. Es führt keine befahrbare Strasse dorthin und die Bewohner transportieren ihre Ernte auf dem Rücken in den nächsten Ort, wofür sie 4 Std. benötigen. Als er mir davon erzählte war ich sofort interessiert und wollte dieses Dorf kennenlernen. So liessen wir uns von einem Taxi so weit wie möglich in die Pampa fahren und wanderten die restlichen 1,5 Stunden über Stock und Stein, durch Bäche und über Geröll zu diesem entfernten Ort. Dieses Dorf erstreckt sich über eine grosse Entfernung, wobei zwischen den einzelnen Häusern jeweils 200m Platz ist. Als wir dort ankamen trafen wir erstmal 2 Männer an, welche auf dem Weg lagen, Coca kauten und uns argwöhnisch beäugten - klar, hierher verirrt sich normalerweisse keiner. Es kamen auch direkt Kinder angerannt, die uns neugierig aber auch sehr schüchtern begrüssten. Die Häuser der Bewohner sind eher Hütten und auf Pfählen gebaut. Im oberen Stock schläft die Famile, um so nachts nicht den Tieren ausgesetzt zu sein. Überall gibt es Bananenstauden und Coca-Felder. Es gibt kein fliessend Wasser und keinen Strom, allerdings jedoch eine Kirche und eine Schule. Die Strasse, welche neu gebaut wird, wird direkt durch dieses Dorf führen. Angeblich sind die Bewohner über diesen Bau super glücklich, da sie dadurch endlich an das Verkehrsnetz angeschlossen sein werden und so auch die Möglichkeit haben, ihre Ernte in grösseren Mengen zu verkaufen. Momentan wäre es so, dass sie teilweise mehr anbauten, als dass sie verwerten können, da sie einfach nicht die Möglichkeit haben, ihre Ernte zu transportieren. Klar, die Anbindung an das Verkehrsnetz bringt den Dorfbewohnern sicherlich auf bestimmte Art und Weise Vorteile, mit der Idylle des Dorfes und der Ruhe wird es jedoch vorbei sein!
Für mich war es auf jeden Fall super interessant, soetwas mal gesehen zu haben - Entwicklungsland pur!
Den Sonntag morgen verbrachten wir an einem kleinen Urwaldbach, liessen uns die Sonne auf den Bauch scheinen (oh wie angenehm) und am Nachmittag ging es auch schon wieder zurück nach La Paz in den Winter.

Montag, 25. Juni 2007

La Paz, Chulumani & Weihnachten

So, nach zwei Wochen wird es mal wieder Zeit für nen neuen Bericht aus Bolivien.
Nach wie vor geht es mir sehr gut, auch wenn das Wetter hier mittlerweile etwas umgeschlagen hat. Tagsüber ist nach wie vor sonnig, die Temperaturen sind jedoch um einige Grad gefallen. So hat es nachts circa 5 Grad. Die Bolivianer bibbern und beklagen sich über die Kälte, wer jedoch den deutschen Winter kennt, hält es hier mit ner warmen Jacke sehr gut aus. Und kälter soll es auch nicht mehr werden...
Das vorletzte Wochenende habe ich nach meiner grösseren Potosí- und Sucre-Reise zur Abwechslung mal in La Paz verbracht um etwas auszuspannen. So verbrachte ich den Samstag in der Stadt in zwei Museen (Coca- und Instrumente-Museum), speiste in einer traditionellen Garküche (hab echt nen Saumagen - ich vertrag alles!) und bummelte durch die riessigen Märkte von La Paz (hier gibt es wirklich ALLES!). Den Sonntag verbrachte ich beim Klettern. Ein bolivianischer Freund hat mich an eine Kletterwand mitgenommen und natürlich wollte ich versuchen, wie weit ich es nach oben schaffe. Leider musste ich feststellen, dass ich in dieser Sportart kein Naturtalent bin, denn meine Kräfte brachten mich nicht weit...

Dieses Wochenende war dann zur Abwechslung wieder eine kleine Reise angesagt: Nach Chulumani, ein kleines Dorf in den Yungas (Subtropen). Dieses Mal ging es nicht mit dem Mountainbike nach unten, sondern mit dem Bus. Die Frage ist nur: Was ist angenehmer und vor allem auch sicherer??? Die Strassen sind nicht geteert, zudem nur so breit wie ein Feldweg und auf der einen Seite ist nur Fels und auf der anderen Seite geht es einige Hundert Meter steil bergab.... Leitplanken nicht vorhanden. Auch der Busfahrer hat die schwierige Fahrsituation erkannt und begann die Reise mit einem Ritual: Die Strasse und der Schaltknebel wurden mit 100% Alkohol beträufelt (damit soll die Pachamama besänftigt werden), er selber bekreuzigte sich und trank auch noch nen Schluck aus der Flasche. Das zeigte mir zumindest, dass auch er lebend unten ankommen wollte - beruhigend!
Nach circa 2/3 der Strecke plötzlich ein Stau - sehr merkwürdig auf einem Weg mitten in der Pampa mit wenig Verkehr und keinen Kreuzungen. Was ist passiert: Natürlich ein Bus-Unfall einige Fahrzuge vor uns. Glücklicherweisse ist dieser nur umgekippt (wie auch immer dies passiert sein mag) und ist nicht die Hunderte von Metern den Hang hinuntergekugelt. Somit gab es auch keine Verletzte, der Weg war jedoch blockiert. Die Bolivianer handelten erstaunlicherweisse recht schnell, schafften grosse Steine von allen Seiten heran, füllten mit diesen den Strassengraben aus, so dass die anderen Fahrzeuge zwischen dem umgekippten Bus und der Felswand passieren konnten.
Nach insgesamt fast 5 Stunden Fahrt kamen wir dann in einem kleinen Paradies an: Wir haben uns in einem Hostal eingemietet, welches ausserhalb des Ortes am Rande eines Naturparkes liegt. Neben der Kuweide unter Orangenbäumen befindet sich eine wunderschöne alte Hacienda, als Hostal umgebaut, mit Swimming Pool, an welchem wir den restlichen Samstag bei angenehmen Temperaturen verbrachten und chillten. Am Sonntag morgen gings dann in den Naturpark - ein sogenannter Nebelwald. Früher war die gesamte Region mit dieser Art von Wald bedeckt, durch die Plantagenwirtschaft (v.a. Coca) wurde dieser jedoch abgeholzt. Unser Führer führte uns durch das dichte Unterholz und erzählte uns viel über die Pflanzen und ihre heilende Wirkungen. Eine Aufregung stellte eine kleine Schlange auf dem Weg dar, in welche unser Guide fast reingetreten ist. Zum Glück hat er sie noch rechtzeitig entdeckt und konnte mit einem grossen Satz die Konfrontation vermeiden. Wie er meinte, war die Schlange nämlich sehr giftig, weshalb sie auch "5 Schritte" genannt wird. D.h.: geht man nach einem Biss 5 Schritte, ist man tot. Leider wollte die Schlange auch nicht von dem Weg runter, weshalb wir einige Minuten ausharren mussten, bis sie sich verzogen hat. Gleichzeitig haben wir natürlich gebibbert, dass sie in unsere Richtung kommt.
Am Nachmittag ging es wieder 4 Stunden zurück nach La Paz, wo uns ein kleines Event erwartete: Meine 2 verrückten Mitewohner Johanna und Bene feiern in Düsseldorf immer am 24. Juni Weihnachten, da sie das Fest im Dezember nervig und wenig besinnlich finden, da es so kommerziell ist. Deswegen überlegten sie und ihre Freunde sich, dieses Fest einfach ein halbes Jahr später zu feiern, was sie wohl schon seit einigen Jahren so praktizieren. Natürlich konnten sie auch in La Paz nicht auf ihren Brauch verzichten. So gab es Glühwein, Christstollen, Plätzchen, Mandarinen, Erdnüsse,... Wir sangen Weihnachtslieder, wichtelten und Bene lass die Weihnachtsgeschichte auf Spanisch vor. Sehr spassig...

Dienstag, 12. Juni 2007

Potosí & Sucre

Das vergangene Wochenende verbrachte ich in Potosí und Sucre. Da am Donnerstag Feiertag war, konnte ich mir am Freitag frei nehmen und die 4 Tage zum Reisen nutzen.
Mein erster Stopp war Potosí - die höchst gelegenste Grossstadt der Welt auf über 4000m Höhe. Ihre Existenz hat sie den Spaniern zu verdanken, die dort gross Silbervorkommen entdeckten, im sog. "Cerro Rico". Auch heute lebt die Stadt noch von ihren Minen und der Berg wird häufig mit einem schweizer Käse verglichen, da er mittlerweile komplett durchlöchert ist. Vor ein paar Hundert Jahren, war die Stadt sehr reich, was man noch an den vielen Kolonialgebäuden erkennen kann, die mittlerweile allerdings nicht mehr in allzu gutem Zustand sind.
Natürlich wollte ich mir auch eine Mine anschauen, was ein krasses Erlebnis war: In den Stollen, die ich besichtigt hatte, wird immer noch gearbeitet und die Arbeitsbedingungen machten mich wirklich traurig. Teilweise sind die Gänge so niedrig, dass man nicht aufrecht gehen kann, bzw. krabbeln muss. Hinzu kommt, dass die Luft sehr dünn und feucht ist, so dass einem das Atmen schwer fällt. Die meisten Minenarbeiter leben deswegen auch nicht länger als 50 Jahre. Auch arbeiten in den Minen sehr viele Kinder. Ich konnte es in der Mine nicht länger als 45 Minuten aushalten, da ich kaum Luft bekommen habe und ich mich in den engen Gängen auch nicht wirklich wohl fühlte. Zum Glück hatten wir 2 Guides, so dass der eine mich und noch ein anderes Mädel nach draussen begleiten konnte.
Angeblich kann man, nach einer amerikanischen Studie, in 8 Jahren in dem Berg auch nicht mehr arbeiten, da er dann zusammen stürzt. Dann wird Potosí eine verlassene Stadt sein, denn die "Minería" ist das hauptsächliche Einkommen der Bewohner.
In Potosí befindet sich auch das soziale Projekt der Katholischen Studentengemeinde in Tübingen, die auf dem Weihnachtsmarkt immer so schöne Strickwaren verkaufen. Letzten Winter habe ich beim Verkauf geholfen und dabei das Projekt kennengelernt. Ein weiterer Grund für mich nach Potosí zu fahren! So konnte ich die 2 Tage bei den Nonnen wohnen, die das Projekt betreuen. Die Frauen nahmen mich so herzlich auf, erzählten mir sehr viel über das Leben in Bolivien und gaben mir Einblicke in die Kultur und die Probleme des Landes. Auch führten sie mich durch ihr Viertel, welches super arm ist. Viele Häuser haben kein fliessend Wasser und es gibt keine Müllabfuhr. Die Menschen leben also mitten im Dreck. Ich wusste zwar, dass es sowas gibt, es mit eigenen Augen zu sehen war dann aber doch nochmal eine andere Sache. Alleine hätte ich gar nicht in dieses Viertel gehen können, da es zu gefährlich gewesen wäre.
Die "hermanas" engagieren sich sehr sozial in diesem Viertel. Jeden Tag gibt es ein Mittagessen für 40 Kinder, die aus den ärmsten Familien ausgewählt werden. Daneben gibt es in dem Gelände des Conventes einen kostengünstigen medizinischen Service, eine öffentliche Dusche, eine Bibliothek und einen Spielplatz. Ein weiterer Punkt ist die Nähstube, in welcher Frauen aus der Nachbarschaft die Sachen stricken, die dann in Tübingen für das Vielfache der Produktionskosten auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden. Die Erlöse fliessen komplett nach Potosí zurück.
An den Wochenenden gehen die Nonnen Nachmittags in das Viertel und trommeln Kinder zum Spielen zusammen. Die zwei Tage, in denen ich das alles miterleben durfte, waren auf jeden Fall sehr interessant!

Am Samstag Vormittag ging es mit dem Taxi Express weiter nach Sucre - die Hauptstadt Boliviens. Die Reise dauerte jedoch länger als erwartet, da in Sucre ein Autorennen stattfand, welches auch das Umland umfasste. So war die Zufahrtsstrasse in die Stadt gesperrt und wir mussten 1 1/2 Stunden in der Pampa in voller Sonne warten, bis wir durchgelassen wurden. Es gab natürlich keine Umleitung.
Sucre ist eine sehr schöne Stadt, mit vielen Kolonialhäuser in top Zustand. Da sich die Stadt "nur" auf 2800 m Höhe befindet, diente sie wegen ihres angenehmen Klimas früher als Wohnsitz der Frauen der in Potosi arbeitenden Spanier. Rein optisch könnte das Zentrum auch in Spanien sein. Da das Autorennen das komplette Wochenende stattfand, war die Stadt voll mit Leuten und manche Strassenzüge waren gesperrt. Deswegen konnte ich leider nicht alles sehen, was ich geplant hatte. Trotzdem bekam ich einen schönen Eindruck von der Stadt. Auch war schön, dass ich im Hostel einige nette Leute kennen gelernt habe, so dass ich nicht nur alleine unterwegs sein musste.
Am Sonntag Nachmittag ging es mit dem Flieger dann wieder zurück nach La Paz. Auch das war eine Erfahrung: Beim Check-In wollte keiner meinen Pass sehen und beim Pre-Boarding gab es keinerlei Sicherheitskontrolle. Ich hätte ohne Probleme eine Bombe mit ins Flugzeug nehmen können. Es kam mir wirklich so vor, als ob ich Bus fahren würde.

In der Kammer arbeite ich momentan an einem Exportführer mit dem gesamten Reglament, welches eine bolivianische Firma durchlaufen muss - eigentlich ganz interessant. Manchmal ist es nur verwirrend, dass auf den Seiten verschiedener Institutionen unterschiedliche Informationen zu finden sind. Viele Internetseiten wurden seit Monaten nicht aktualisiert, so dass komplett veraltete Regelungen aufgelistet sind. Das erschwert meine Arbeit natürlich ein klein wenig ...

Montag, 4. Juni 2007

Fiesta del Gran Poder



Am Samstag war DAS Fest in La Paz angesagt: Die "Fiesta del Gran Poder". Das konnten ich mir natürlich nicht entgehen lassen!
Dieses traditionelle Fest besteht aus einem Umzug, der morgens um 9 Uhr beginnt und den ganzen Tag bis in die Nacht hinein durch die Strassen von La Paz geht. Insgesamt nehmen 53 Gruppen aus Bolivien teil, die in bunten Kostümen - teils traditionelle Inka-Bekleidung, teils Karnevall-ähnliche Verkleidungen - durch die Strassen tanzen. Die Tänze haben historische Bedeutungen, so dass beispielsweise Ratschen die Ketten der Sklaven darstellen sollen.
Ursprünglich wurden die Tänze vor einem Jesu-Bild, das Bild des Gran Poder, aufgeführt. Deswegen trägt das Fest diesen Namen. Gran Poder kann mit "grosser Macht" übersetzt werden.
Wir haben uns Tribünenplätze reservieren lassen und schauten uns von 9.30 - 15 Uhr das bunte Treiben an. Und dabei sahen wir nur circa 25 Gruppen... Irgendwann wiederholen sich jedoch die Tänze und nach fast sechs Stunden reichte es auch. Was beachtlich ist, dass die Bolivianer an solchen Festivitäten Unmengen an Alkohol konsumieren. Kein Vergleich zum deutschen Karneval (oder Fasnet), wo es ja auch schon heftig zugeht. Auch deswegen war ich ganz froh, noch bei Tage nach Hause zu kommen...
Diese Woche ist eine ruhigere Arbeitswoche angesagt. Da am Donnerstag Fronleichnam ist, hab ich mir den Freitag frei genommen und werde das verlängerte Wochenende mal wieder für eine Reise nutzen. Mittwoch Nacht fahre ich nach Potosí, wo ich das Soziale Projekt der Katholischen Hochschulgemeinde in Tübingen besuchen werde (von denen die schönen Wollsachen auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt verkauft werden) und am Samstag gehts dann noch nach Sucre - die Hauptstadt Boliviens. Zum ersten Mal werde ich in Bolivien alleine unterwegs sein, deswegen wird es doppelt spannend!